logo
Nachhaltigkeit & Compliance

Grüne Beschaffung

ESG Green Public Procurement

Grüne Beschaffung

Grüne Beschaffung (englisch: Green Public Procurement, GPP) bezeichnet die systematische Einbeziehung von Umweltkriterien in den gesamten Beschaffungsprozess öffentlicher Auftraggeber, um Produkte, Dienstleistungen und Bauleistungen mit geringeren negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu erwerben. Im österreichischen öffentlichen Vergabe- und Ausschreibungswesen ist dies eine Strategie, bei der ökologische Gesichtspunkte über den gesamten Lebenszyklus eines Auftrags hinweg priorisiert werden, rechtlich gestützt durch das Bundesvergabegesetz (BVergG 2018). Im Gegensatz zur reinen „Balligstbieter”-Auswahl ermöglicht das aktuelle Bestbieterprinzip die Berücksichtigung qualitativer Aspekte wie Energieeffizienz und Abfallvermeidung neben dem Preis.

Rechtliche Grundlage in Österreich

Die zentrale Anknüpfungspunkt für grüne Beschaffung in Österreich ist § 20 Abs. 5 BVergG 2018, der explizit die Berücksichtigung ökologischer Aspekte bei der Leistungsbeschreibung, den technischen Spezifikationen und als Zuschlagskriterium erlaubt. Diese ökologischen Aspekte umfassen Maßnahmen zur Erhöhung der Energie- oder Materialeffizienz sowie zur Abfallvermeidung, Emissions- und Bodenschutzvermeidung. Zusätzlich normiert § 94 Abs. 1 BVergG 2018 die Verpflichtung, betriebsbedingte Energie- und Umweltauswirkungen (wie CO₂- und NOx-Emissionen) während der gesamten Lebensdauer zu berücksichtigen. Für zentrale öffentliche Auftraggeber (z. B. Bundesministerien, BBG) besteht gemäß § 95 BVergG 2018 sogar eine Pflicht zur Beschaffung von Waren mit höchstmöglicher Energieeffizienzklasse im Oberschwellenbereich.

Praktische Bedeutung und Beispiele

Grüne Beschaffung ist in Österreich grundsätzlich eine freiwillige Strategie, wobei bestimmte sektorspezifische EU-Richtlinien (wie die Clean Vehicles Directive für Fahrzeugbeschaffung) verbindliche Mindestquoten für saubere Fahrzeuge vorschreiben. In der Praxis nutzen öffentliche Auftraggeber das Instrument des österreichischen Umweltzeichens oder andere staatlich anerkannte Gütezeichen, um ökologische Anforderungen konkret zu definieren. Die naBe-Plattform (nachhaltige öffentliche Beschaffung) des Bundes unterstützt Auftraggeber dabei, diese Kriterien organisationsübergreifend zu implementieren und die Logistik (z. B. durch Zusammenfassen von Bestellungen) effizienter zu gestalten.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Während sich Grüne Beschaffung spezifisch auf den Schutz der Umwelt und ökologische Faktoren konzentriert (Engfassung), umfasst der Begriff Nachhaltige Beschaffung (Breitfassung) darüber hinaus auch soziale und wirtschaftliche Kriterien im Sinne des 3-Säulen-Modells (Ökonomie, Umwelt, Soziales). Im deutschen Kontext wird häufig synonym „ökologische Auftragsvergabe” verwendet, doch der österreichische Fokus liegt stark auf der Umsetzung des naBe-Aktionsplans und der Verankerung des Nachhaltigkeitsgrundsatzes im BVergG neben Gleichbehandlung und freiem Wettbewerb.

KI-gestützte Bauinformationen für Österreich. Finden Sie Bauprojekte und Ausschreibungen früher als der Wettbewerb.

© 2025 Bausignal. Alle Rechte vorbehalten.